
© François Meyer / AGRIDEA
Verhalten bei Kontakt mit Herdenschutzhunden
Auf vielen Schweizer Alpweiden schützen grosse weisse Hunde Schafe und Ziegen vor Grossraubtieren. Sie leben Tag und Nacht bei der Herde und melden alles, was sich nähert. Wer weiss, wie sie ticken, bleibt entspannt – und die Hunde auch.
5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Stehen bleiben, ruhig sprechen, Herde weiträumig umgehen, Hund nicht anfassen und nicht anschreien. Velo schieben, eigene Hunde anleinen und - wenn möglich - die Weide ganz umgehen.
Warum es diese Hunde gibt
Warum es diese Hunde gibt
Seit Wolf und Luchs in der Schweiz wieder heimisch sind, setzen viele Alpbetriebe auf Herdenschutz. Die Hunde sind keine Haustiere, sondern Arbeitstiere: Sie beurteilen selbstständig, ob etwas eine Gefahr für die Herde ist. Bellen und Entgegenlaufen sind ihre normale Ansage, kein Angriff.
Schritt für Schritt: die Begegnung
- 1
Früh erkennen
Achte auf Hinweistafeln am Weganfang und auf weisse Hunde in der Herde. Je früher du sie siehst, desto einfacher lässt sich ein Bogen planen.
- 2
Anhalten und ruhig bleiben
Bleib stehen, wenn ein Hund bellend auf dich zukommt. Sprich ruhig, halte die Arme unten und vermeide direkten Blickkontakt. Der Hund will prüfen, wer du bist.
- 3
Hund abklären lassen
Warte, bis sich der Hund beruhigt und zwischen dir und der Herde positioniert. Das dauert oft nur Sekunden. Erst dann langsam weitergehen.
- 4
Herde weiträumig umgehen
Geh ruhig und ohne hektische Bewegungen im Bogen um die Tiere herum - nie mitten hindurch und nie zwischen Muttertiere und Jungtiere.
- 5
Velo schieben, Stöcke senken
Schnelle Räder und erhobene Stöcke wirken bedrohlich. Steig ab, schiebe und halte Stöcke gesenkt statt sie zu schwingen.
- 6
Mit eigenem Hund besonders vorsichtig
Leine kurz nehmen und den eigenen Hund dicht bei dir führen. Wird die Lage angespannt, Hund ableinen und selbst ruhig zurückziehen – so kann er ausweichen.
Das hilft
Das hilft
- Ruhig stehen bleiben und normal weiteratmen
- In ruhigem Ton mit dem Hund sprechen
- Die Herde grossräumig umgehen und dann zügig weitergehen
- Kinder zu sich nehmen und an der Hand führen
Das besser nicht
- Weglaufen, rennen oder schnell velofahren
- Den Hund streicheln, füttern oder fotografieren aus der Nähe
- Schreien, drohen oder mit Stöcken nach dem Hund schlagen
- Mitten durch die Herde gehen oder Tiere berühren
Wenn ein Hund dich bedrängt
Wenn ein Hund dich bedrängt
Bleib stehen, drehe dich seitlich zum Hund und weiche langsam rückwärts aus, ohne den Rücken zuzuwenden. Meist verliert er das Interesse, sobald du dich von der Herde entfernst. Kehre im Zweifel um und wähle eine andere Route.
Im Notfall
Bei einer Verletzung: Sanitätsnotruf 144, in unwegsamem Gelände Rega 1414. Vorfälle solltest du zusätzlich der zuständigen Alpbewirtschaftung oder dem kantonalen Herdenschutzdienst melden - die Kontaktangaben stehen meist auf der Hinweistafel an der Weide.
Grundlage: Empfehlungen des Bundesamts für Umwelt BAFU zum Herdenschutz.